Lima – frieren auf dem 12. suedlichen Breitengrad auf Meereshoehe!

Auf dieser Tastatur kann ich die Buchstaben nur raten, aber ich versuch es mal mit dem Schreiben:

In wenigen Tagen haben wir fast 2000 Kilometer mit diversen Bussen zurueckgelegt, wir waren also ziemlich unterwegs! Equador und die Equadorianer, die uns ziemlich lieb geworden sind, haben wir verlassen und uns auf in den Sueden gemacht. „Sueden“ bedeutet hier nun nicht mehr Waerme, sondern das Gegenteil: mit dem Arktischen Humboldtstrom, der an der Westkueste Suedamerikas entlang fliesst, kommt kalte Luft und ein Nebel, der 2/3 des Jahres die Kueste Perus bedeckt. Und die Kueste selber ist ueberwiegend Wueste – richtig kahle Wueste. Nebel – Wueste im Nebel – Pazifikkueste im Nebel, das ist der Dreiklang, der den Reisenden umfaengt, Menschen und Landschaft praegt. Wie eine dumpfe Decke breitet sich dieser Nebel ueber dem Dasein dieses Kuestengebiets aus und verschafft in der Landschaft den Eindruck, wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein.

Die Pan Amerikana durchzieht den Kontinent auf seiner Westseite und fuehrt uns ueber weite Teile direkt an derm Kueste entlang. An verhuellten, einsamen Straenden fliesst die Brandung in die Buchten, sitzen Vogelkolonien im Sand. Bei aller Einsamkeit und Wuesten, die ich liebe – hier wandern moechte ich nicht. Dieser dauernde Nebel muesste einen in Trostlosigkeit, Ziellosigkeit einhuellen und ganz auf sich selber zurueckwerfen. Kein Wunder, dass die Kueste kaum bewohnt ist und nur diverse Zweckbauten sich in den Sandflaechen verteilen.

Auf dem Weg nach Lima gab es jedoch so manches zu sehen. So waren wir einen Tag in Tumbes an der Nordgrenze Perus und verbrachten den Tag

in den Mangrovenwaeldern an der Kueste,

besichtigten eine Krolodilsfarm

und bestaunten die Vogelinsel: sie ist voll ueberzogen von Mangroven

und die Tiere nisten in den Zweigen, oft nur wenige Meter weg vom Boot.

Den Aufenthalt in Tumbes dankten wir der International operierenden Busgeselllschaft, bei der eine Hand nicht weiss, was die andere tut: Gestrichene Reservierungen, unzutreffende Tickets, aber auch sehr bemuehtes Personal und sichere Nachtbusse zeichnen Ormenos aus. Ja, und dabei mussten wir auch eine Grenze passieren:

Der Grenzuebergang bei Tumbes zwischen Equador und Peru

Dieser hat nach Lonely Planet den Ruf, der schlimmste Grenzuebergang Suedamerikas zu sein. Er erinnert mich an die Vorgaenge in Marokko Ende der 90ger Jahre, als ich von Marokko in die spanische Enklave Ceuta ueberwechseln wollte – Ceuta liegt noch auf dem afrikanischen Kontinent – ich werde diesen beiden Posten wohl eine eigene Seite auf der Website einrichten, daher hier nur ein Eindruck:

Das Personal der Busgesellschaft machte schon im Vorfeld darauf aufmerksm: „Don’t give anybody money, everything is free. Don’t change money there, everywhere else it is better“. Und: die Dame vom Personal stellte sich persoenlich in ihrer Busuniform vor den Schalter und ueberwachte leicht genervt die Abfertigungsprozedur, die immer wieder durch Schleppern unterbrochen wurde. So ein Grenzposten ist jedenfalls fuer alle Beteiligten eine lukrative Angelegenheit und alle berichteten Schikanen (endlose wartezeiten, beglaubigte Kopien – der Notar residiert nebenan – Ausweise aller Art und wer weiss was noch) beruhen nur auf einem Prinzip: moeglichst umfangreich abzocken zu koennen: Grenzbeamte, Polizei, Schlepper, Geldwechsler – stecken alle unter einer Decke und fuehren Teile des Gewinns an die jeweils vorgesetzte Stelle ab. Bei uns nun hat nur der Pass interessiert, schon die vorgeschriebene Gelbfieberimpfung wollte keiner mehr sehen. Und dem zerlumpten Argentinier, der noch nicht mal sein Tshirt richtig rum anhatte, hat eben das Bakschisch an den Schlepper geholfen – er wurde nicht nur vor uns an den Schalter gelassen unter Umgehung der langen Schlange, auch er hat ohne weitere Rueckfragen seinen Stempel bekommen. Sicherheitshalber hat die Station aber ein Schild ueber den Raum mit den vergitterten Abfertigungsschaltern gahaengt: „Alle offiziellen Handlungen finden nur in diesem Raum in den Boxen statt. Wir sind nicht verantwortlich fuer das Handeln anderer Personen“ . Das Schild ist aber klein und nur in Spanisch… Fotografieren haben wir uns dort natuerlich nicht getraut!

Liebe Gruesse an alle zu Hause!